Schwanger sein in Schweden – wichtige Informationen und Behördengänge
Eine Schwangerschaft bringt
viele neue Erfahrungen mit sich – besonders, wenn man sie im
Ausland erlebt. In Schweden ist das System rund um
Schwangerschaft, Geburt und Elternzeit gut organisiert,
unterscheidet sich aber in einigen Punkten deutlich von anderen
Ländern.
Dieser Beitrag gibt einen
Überblick über die wichtigsten Schritte, Anlaufstellen und
Formalitäten, wenn man in Schweden schwanger ist.
1. Erste Schritte nach dem positiven Test
Nach einem positiven
Schwangerschaftstest erfolgt der erste Kontakt in Schweden
nicht mit einer Ärztin oder einem Arzt, sondern mit einer
Barnmorskemottagning (Hebammenpraxis). Diese
sind meist an eine Vårdcentral
(Gesundheitszentrum) angegeliedert. Dort werden alle
Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft
koordiniert.
Eine passende Praxis kann
man selbst auswählen, meist nach Wohnort. Die Anmeldung erfolgt
in der Regel online, zum Beispiel über die Plattform
1177.se, die
zentrale Website des schwedischen Gesundheitssystems, oder
telefonisch.
2. Personennummer und Zugang zum Gesundheitssystem
Um medizinische Leistungen
in Anspruch zu nehmen, wird eine
Personennummer benötigt – die schwedische
Sozialversicherungsnummer.
Diese erhält man nach der
Anmeldung beim Skatteverket (Finanzamt). Mit
der Personennummer wird man automatisch im staatlichen
Gesundheitssystem registriert und kann die reguläre Versorgung
nutzen.
Personen ohne Personennummer können ebenfalls medizinische Hilfe erhalten, müssen die Kosten jedoch häufig selbst tragen. Es empfiehlt sich daher, die Registrierung so früh wie möglich zu veranlassen.
3. Försäkringskassan – Elterngeld und Schwangerschaftsgeld
Die Försäkringskassan ist die zentrale Behörde für Sozialleistungen in Schweden. Während der Schwangerschaft und nach der Geburt sind vor allem zwei Leistungen relevant:
-
Graviditetspenning (Schwangerschaftsgeld): finanzielle Unterstützung, wenn die Arbeit während der Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist.
-
Föräldrapenning (Elterngeld): Einkommensersatz nach der Geburt, den beide Elternteile flexibel aufteilen können.
Anträge können über das Online-Portal der Försäkringskassan gestellt werden. Viele Formulare und Informationen sind auch auf Englisch verfügbar: forsakringskassan.se
4. Vorsorge und Untersuchungen
In Schweden übernehmen
Hebammen (barnmorskor) den größten Teil der
Schwangerschaftsvorsorge. Ärztliche Untersuchungen finden nur
statt, wenn medizinische Gründe vorliegen.
Zu den Standardterminen
gehören:
-
Erstgespräch zu Beginn der Schwangerschaft, danach in regelmäßigen Abständen
-
Ultraschalluntersuchung am Anfang (etwa 9. - 12. SSW) und dann noch einmal um die 20. SSW etwa (bei Auffälligkeiten gibt es natürlich weitere Kontrollen)
-
Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Gewicht und Blutwerten
Die Betreuung ist in der Regel zurückhaltend, was Eigenverantwortung und Vertrauen in den natürlichen Verlauf der Schwangerschaft betont.
5. Die Rolle der Hebamme in Schweden
In Schweden spielt die
Barnmorska – die Hebamme – eine zentrale Rolle
in der Betreuung schwangerer Frauen.
Hebammen sind die
Hauptansprechpartnerinnen während der gesamten Schwangerschaft,
bei der Geburt und im Wochenbett. Ärztinnen und Ärzte werden
nur hinzugezogen, wenn medizinische Fragen auftreten.
Die schwedische Hebammenbetreuung zeichnet sich durch Kontinuität, Vertrauen und Gesundheitsförderung aus. Schwangere werden regelmäßig zu Vorsorgeterminen eingeladen, bei denen sowohl medizinische als auch emotionale Aspekte berücksichtigt werden.
Hebammen arbeiten in:
-
Barnmorskemottagningar (Hebammenpraxen) während der Schwangerschaft,
-
Förlossningsavdelningar (Geburtsstationen) im Krankenhaus,
-
BB-avdelningar (BB steht für Barnbörd oder Barnbördsavdelning = Geburtsabteilung und Avdelning bedeutet Station/Abteilung. Eine BB-avdelning ist also der Bereich des Krankenhauses, in dem Mütter nach der Geburt mit ihrem Neugeborenen betreut werden) oder
-
BVCs (= Barnavårdscentral, diese kümmert sich um Kinder von der Geburt bis ca. 6 Jahre) in der Nachsorge nach der Geburt.
Das schwedische System legt großen Wert auf Selbstbestimmung und Natürlichkeit. Die Betreuung ist respektvoll, strukturiert und soll werdende Eltern bestärken, Vertrauen in den Geburtsprozess zu entwickeln.
6. Die Rolle der Doula-Begleitung in Schweden
Neben der medizinischen
Betreuung durch Hebammen entscheiden sich immer mehr Familien
in Schweden für die Begleitung durch eine
Doula.
Eine Doula ist keine
medizinische Fachkraft, sondern bietet emotionale,
informative und praktische Unterstützung – vor,
während und nach der Geburt.
Im Unterschied zur Hebamme konzentriert sich die Doula auf das Wohlbefinden, die Geburtsvorbereitung und die persönliche Begleitung. Sie schafft Raum für Fragen und Wünsche, hilft bei der Orientierung im schwedischen Gesundheitssystem und bietet während der Geburt eine konstante, vertraute Präsenz.
Typische Aufgaben einer Doula in Schweden sind:
-
Vorbereitungsgespräche und Geburtsplanung
-
Unterstützung während der Geburt
-
Nachgespräche und Wochenbettbegleitung
-
Hilfe bei sprachlichen und kulturellen Hürden
Gerade für internationale Familien kann eine Doula eine wertvolle Brücke zwischen Kulturen und Betreuungssystemen sein. Sie ergänzt die medizinische Versorgung durch Zeit, Verständnis und persönliche Kontinuität.
7. Geburt und Klinikwahl
Etwa ab der Mitte der
Schwangerschaft kann entschieden werden, in welcher Klinik
(förlossning) die Geburt stattfinden soll. In
der Regel wird das Krankenhaus gewählt, das dem Wohnort am
nächsten liegt, jedoch besteht – abhängig von der Region – auch
Wahlfreiheit.
Hausgeburten sind in
Schweden möglich, werden aber seltener angeboten und teilweise
nicht von allen Regionen finanziert.
8. Nach der Geburt – Anmeldung und Nachsorge
Nach der Geburt erhält man
im Krankenhaus eine Geburtsbescheinigung, mit
der das Kind beim Skatteverket angemeldet
wird. Nach der Registrierung erhält das Kind eine eigene
Personennummer.
Anschließend übernimmt die
Barnavårdscentral (BVC) die Nachsorge. Dort
werden Impfungen, Gewichtskontrollen und allgemeine
Entwicklungsgespräche organisiert.
Die Mutter bekommt etwa 6 - 10 Wochen nach der Geburt noch einmal einen Termin zur Nachkontrolle bei der Hebamme.
Je nach Region kommen sowohl die Hebamme als auch die Kinderkrankenschwester/-pfleger in der ersten Woche nach der Geburt nach Hause und schauen nach Mutter und Kind. Danach finden alle Termine in der Vårdcentral statt.
9. Sprache und Unterstützung
Viele Fachkräfte im Gesundheitswesen sprechen Englisch. Wer sich auf Schwedisch oder Englisch unsicher fühlt, kann einen staatlich bereitgestellten Dolmetscher anfordern. Dies ist ein kostenloser Service, der insbesondere bei medizinischen Gesprächen empfohlen wird.
Fazit
Das schwedische
Gesundheitssystem bietet werdenden Eltern eine strukturierte
und umfassende Betreuung.
Mit einer rechtzeitigen
Anmeldung bei den zuständigen Behörden – insbesondere
Skatteverket und
Försäkringskassan – und der Wahl einer
Barnmorskemottagning sind alle wesentlichen
Schritte für eine gut organisierte Schwangerschaft
erledigt.
